Viele Fehlgeburten lassen sich durch Folsäure verhindern

In vielen Ländern ist die Anreicherung von Getreideprodukten mit Folsäure vorgeschrieben. Das in Folsäure enthaltene Vitamin B senkt das Risiko von angeborenen Fehlbildungen (z.B. offener Rücken).

Ab Kinderwunsch: Folsäure schon vor der Schwangerschaft einnehmen

Die Fehlbildungen entstehen zu einer Zeit, zu der viele Frauen noch gar nicht wissen, dass sie schwanger sind. Frauen, die schwanger werden wollen, müssten also eigentlich vorsorglich Folsäuretabletten einnehmen. Eben das macht aber nur ein kleiner, gut informierter Teil, etwa zehn Prozent. Kampagnen für die Einnahme von Folsäure erwiesen sich als wenig wirksam. Deshalb entschloss man sich in Kanada und USA, den Mangel per Gesetz zu beseitigen.

Wie Philippe de Wals von der Laval University in Quebec und seine Kollegen im Fachblatt „New England Journal of Medicine“ berichten, kamen in Kanada vor Einführung der Folsäureanreicherung durchschnittlich 1,58 Neuralrohrdefekte auf 1000 Geburten. 2002, nach der Einführung, waren es nur noch 0,86 auf 1000. Ein Rückgang um 46 Prozent.

In Deutschland werden angeborene Fehlbildungen nicht systematisch registriert. Aber die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) geht in einem Positionspapier von einer Häufigkeit von ein bis zwei Kindern pro 1000 Geburten aus. Bei rund 700 000 Lebendgeburten pro Jahr wären 700 bis 1400 Kinder betroffen. Legt man die kanadischen Erfahrungen zugrunde, könnten knapp 700 von ihnen durch folsäurehaltiges Mehl gesund zur Welt kommen. Jedes Jahr.

Anreicherung von Mehl und Backwaren mit Folsäure sinnvoll

Die DGE befürwortet die Folsäureanreicherung, etwa von Bäckermehl. Denn Brot isst jeder. Damit ist dieses Grundnahrungsmittel ein idealer Vitaminbote. Auch deshalb, weil nicht nur Schwangere, sondern die meisten Deutschen zu wenig Folsäure aufnehmen.

Bei einer umfassenden Anreicherung von Mehl und Backwaren mit 150 Mikrogramm Folsäure auf 100 Gramm Mehl würden fast alle Männer und Frauen ausreichend Folsäure bekommen. Die Deutschen nehmen etwa 200 bis 300 Mikrogramm Folat-Äquivalente auf – das sind die in der Nahrung vorkommenden natürlichen Vitaminverbindungen. 400 Mikrogramm Folat gelten als täglicher Bedarf.

Folsäure senkt die Konzentration der Aminosäure Homocystein im Blut. Homocystein gilt als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, so dass Befürworter der Folsäureanreicherung sich günstige Effekte für Krankheiten wie Herzinfarkt und Schlaganfall versprechen. Aus großen Untersuchungen geht hervor, dass eine hohe Folsäurezufuhr über die Nahrung mit einem niedrigeren Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Bluthochdruck einhergeht.


Quelle:  http://www.tagesspiegel.de/themen/gesundheit/folsaeure-schwangerschaft-vitamin-fuers-ungeborene/9962824.html